StartAktuellNachrichtenDie Sonne schickt uns keine Rechnungen - Diskusionen mit SPD-Umweltexperte Dr. Matthias Miersch

Die Sonne schickt uns keine Rechnungen - Diskusionen mit SPD-Umweltexperte Dr. Matthias Miersch

Hof Stegen _1

Fritz Stegen, Dr. Matthias Miersch und Daniela Behrens besichtigten zusammen mit weiteren SPD-Engagierten die Biogasanlage in Bokel.

26. August 2010 0 Kommentare

Klimapolitik ist in aller Munde. Vor allem aufgrund der Planungen von CDU und FDP, die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern. Klimapolitik auf kommunaler Ebene stand im Zentrum eines Besuchstages des umweltpolitischen Sprechers der SPD-Bundestagsfraktion Dr. Matthias Miersch. Auf Einladung der Landtagsabgeordneten Daniela Behrens und der SPD-Samtgemeindefraktion Beverstedt besuchte er die Region, um sich vor Ort zu informieren und zu diskutieren.

Auf dem Hof Stegen in Bokel besichtigten die beiden Abgeordneten dann die neu errichtete Biogasanlage. Der Landwirt Fritz Stegen führte die beiden sowie zahlreiche SPD-Samtgemeinderatsmitglieder zur Anlage und erläuterte das Verfahren. „Biogasanlagen dürfen nicht um jeden Preis zugelassen werden“, so Dr. Miersch. Er zeigte sich aber über die Funktionsweise und Modernität der neuen Anlage von Stegen begeistert. Vor allem die Gülle-Verwertung sei vorbildlich. Die Anlage bietet des Weiteren vielfältige Ausbaumöglichkeiten. So kann neben dem Strom der bereits in das öffentliche Netz geleitet wird, auch die Wärme zum Heizen der Wohnhäuser auf dem Hof genutzt werden.

Derzeit wird in Deutschland jede dritte Kilowattstunde Strom aus Biogas in niedersächsischen Anlagen erzeugt. „Während sich bisher die Biogasanlagen vorrangig in den Veredlungs- und Ackerbauregionen etablieren konnten, setzen zunehmend auch Milchviehbetriebe auf die Biogasproduktion. Die niedersächsischen Biogasanlagen setzten zu circa 90 Prozent auf nachwachsende Rohstoffe (NaWaRo) mit oder ohne Gülle ein, wobei mittlerweile ein deutlich steigender Rohstoffanteil vom Grünland kommt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die kritische Frage, ob Biogas zur Konkurrenz für die Milcherzeugung wird, oder ob der neue Betriebszweig Synergieeffekte bietet und zur Stärkung der Milchviehbetriebe beitragen kann“, erklärt Daniela Behrens zur aktuellen Debatte. Allein im Landkreis Cuxhaven seien 31 Biogasanlagen bereits genehmigt, neun weitere in Planung. Das Thema müsse mehr in den Fokus.

Hof Stegen _biogasanlage

Die abendliche Diskussion in Beverstedt drehte sich dann um Strategien der kommunalen Klimapolitik. Dr. Günter Ihmels, Vorsitzende der SPD-Samtgemeinderatsfraktion, erklärte, welche Maßnahmen die Gemeinde bereits getroffen hat. Anträge zum Ausbau der erneuerbaren Energien und gegen eine unterirdische CO2- Speicherung wurden zudem im Gemeinderat mit großer Mehrheit verabschiedet. Dr. Miersch machte deutlich, dass der Klimaschutz ein ökologisches, ökonomisches und soziales Thema ist. „Wichtig ist es global zu denken und lokal zu handeln“, sagte Dr. Miersch. „Jeder Bürger und jede Kommune ist in der Lage Energie zu sparen.“ Ihm sei klar, dass es schwer sei Verhaltensweisen zu empfehlen. Aber durch Veranstaltungen in den Kommunen sei es möglich, Bürger zum Energiesparen zu bewegen. Laut Dr. Miersch nützt es nicht, auf Freiwilligkeit der Bürger zu setzen. Dies habe man nun seit Jahren versucht. „Daher ist ein klares Bekenntnis zu Regeln und Gesetzen notwendig.“ Er forderte die weitere Modernisierung von öffentlichen Gebäuden und die weitere Förderung von privaten Solaranlagen.

„Der Ausbau von Stromnetzen darf nicht eine reine private Aufgabe werden.“ Dr. Miersch appellierte dafür, bei wichtigen Versorgungsaufgaben eine staatliche Kontrolle zu behalten. Er machte deutlich, dass Strom nicht einfach so aus der Steckdose komme. Es sei wichtig daran zu denken, unter welchen Bedingungen Strom erzeugt würde. Der SPD-Umweltexperte plädierte für die Beibehaltung des Atomausstiegs und verwies auf ein Gutachten, dass eine 100-prozentige Versorgung mit erneuerbaren Energien bis 2050 für möglich hält. „Es ist wichtig den Bürger klar zu machen, welche Gewinne die Stromoligarchen mit ihren Atomkraftwerken machen. Eine Besteuerung der Gewinne ist notwendig, eine Laufzeitenverlängerung hingegen nicht“, so die klare Ansage von Dr. Miersch.

Dr. Miersch warb bei den Kommunen dafür, Förderungen des Bundes zu nutzen, um kommunale Klimaschutzkonzepte zu erstellen. Es gehe darum konkrete Einsparmöglichkeiten wie die Beschaffung neuer Fahrzeuge oder den Ausbau von Passivhäusern. „Deutschland muss als Exportnation Vorreiter im Feld der erneuerbaren Energien sein“, meint Miersch. Er forderte eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung. „Wir müssen den Bürgern klar machen, die Energiewende ist unsere gemeinsame große Errungenschaft. Dabei ist aber wichtig, den Klimaschutz weiter zu forcieren“.

Den Abend schloss Daniela Behrens mit einer deutlichen Absage an die Atomkraft. „Das Märchen von der Atomenergie als Brückentechnologie wird uns nun schon seit Monaten erzählt. Dabei ist es abwegig zu glauben, Atomenergie könnte den Weg in die Zukunft weisen. Mehr als 40 Jahre nach Inbetriebnahme des ersten deutschen AKW fehlt immer noch ein Endlager für die ständig wachsenden Berge an Nuklearmüll. Der Ausstieg aus der Risikotechnologie ist alternativlos!“
 


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